Schreiben ist wie Laufen

Meine SeminarteilnehmerInnen kennen dieses Zitat von Natalie Goldberg. Doch ich habe in den letzten Wochen mehrfach am eigenen Leib erlebt, wie wahr diese Aussage ist. So wie es mir an manchen Tagen Überwindung kostet die Laufschuhe anzuziehen und los zu laufen, hab ich auch beim Rohtext schreiben meines Buches diese Phase erlebt. Ich hab jede Menge Ausreden gefunden, warum ich jetzt nicht schreiben konnte. Noch schnell Fenster putzen, bevor der nächste Regen kommt. Die Katzen endlich zu bürsten, weil das schon überfällig ist. Noch etwas recherchieren, bevor ich darüber schreibe. Doch dann hab ich mich an daran erinnert, was ich meinen TeilnehmerInnen im Seminar sage – Schreiben braucht Übung.

Niemand würde auf die Idee kommen untrainiert zu einem Marathon anzutreten. Doch ich hab versucht unaufgewärmt ein Buchkapitel zu schreiben. Ich dachte , ich könnte mir die Schreibübungen ersparen. Doch egal wie lang und wie viel man schreibt, man sollte nicht aufhören zu trainieren. Eben wie beim Laufen – ohne regelmäßiges Training werden Sie keinen Marathon laufen. Und auch wenn die ersten Zeilen am Papier mühsam sind, so wie die ersten Meter beim Laufen, wo ich das Gefühl habe, nicht vom Fleck zu kommen. Wenn ich diese ersten Meter überwunden hab, läuft und schreibt es sich von selbst. Und eines weiß ich nach den letzten Wochen auch sicher: So wie es einen Runner‘s High gibt, gibt es einen Writer’s High. Dieses Hochgefühl wenn die Worte nur so aus einem herausfließen, auf einmal alles ganz klar wird und man das Gefühl hat ewig weiter schreiben zu können. Ein unglaubliches Gefühl! Doch trotzdem stand ich zwei Tage später wieder vor den Laufschuhen und der kleine Faulpelz in mir begann mir seine Ausreden schmackhaft zu machen “Es ist zu kalt zum Laufen“.  Der große Bruder von dem Faulpelz meldete sich, wenn ich zur Füllfeder griff v.a. wenn ich an einem Text schreiben wollte, der schwierig für mich war. Doch ich überlistete ihn, wie beim Laufen, wo ich manchmal mit flotten Gehen beginne. Also habe ich wieder meine Morgenseiten geschrieben um meine Schreibmuskeln zu lockern – und wenn der Faulpelz gerade unachtsam war, wechselte ich das Notizbuch und schrieb am Rohtext vom Buch.

Wärmen auch Sie sich auf, bevor Sie einen wichtigen Text schreiben. Nehmen Sie ihr Notizbuch zu Hand und schreiben Sie 7 Minuten lang auf was auch immer Ihnen gerade durch den Kopf geht. All die Gedanken, Sorgen und Zweifel, die zwischen Ihnen und der Kreativität stehen. Niemand wird diesen Text sehen und Sie werden ihn auch nicht mehr ansehen. Sie schreiben nur um sich aufzuwärmen, um in den Schreibfluß zu kommen. Dann wechseln Sie zu dem Text, um den es wirklich geht – dann laufen Sie los.

Also laufen Sie los, schreiben Sie los und genießen die das Gefühl von Klarheit im Kopf!

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