Das Hirn nutzen beim Schreiben

Letzte Woche wurde ich von einer Gruppe IT-Techniker herausgefordert. Sie schauten schon beim Betreten des Seminarraums skeptisch, weil Papier und bunte Stifte auf den Tischen lagen. Ich konnte es förmlich auf ihren Gesichtern lesen: Was sollen die Stifte? Wir sind hier, um unsere E-Mails prägnanter zu formulieren! Mit Humor und Charme konnte ich die Herren dann doch davon überzeugen, sich auf die vorgeschlagenen Übungen einzulassen. In diesem Workshop wurde mir mehr denn je klar, wie sehr unsere Gehirnhälften unser Denken prägen.

Links- und rechtshirniges Denken

Die linke Gehirnhälfte denkt linear: Sie registriert Einzelheiten und denkt logisch. Sie sucht nach Ursache und Wirkung, hält sich bei der Ideenfindung an vorgegebene Strukturen und verknüpft Wörter nach grammatikalischen Regeln.

Ganz anders die rechte Gehirnhälfte: Sie denkt bildlich und erfasst so auch ein komplexes Bild in seiner Gesamtheit statt nur die Details zu sehen. Die rechte Gehirnhälfte nimmt Entsprechungen und Ähnlichkeiten wahr und hält sich bei der Ideenfindung an qualitative, aber nicht quantifizierbare Strukturen – sprich die rechte Gehirnhälfte braucht zur Ideenfindung keine bestimmte Reihenfolge.

Wenn wir uns diese Unterschiede ansehen, fällt auf, dass unsere Gesellschaft sehr linkshirnig orientiert ist. Auch meine Seminarteilnehmer aus der IT nutzen fürs Programmieren natürlich sehr stark ihre linken Gehirnhälften. Und das ist auch gut so. Doch um spannende, bildhafte Texte schreiben zu können, brauchen wir unsere rechte Gehirnhälfte.

Die rechte Gehirnhälfte aktivieren

Mit der Methode des Clustering können wir die rechte Gehirnhälfte aktivieren. Hier werden, ähnlich wie beim Mindmapping, alle Inhalte für einen Text gesammelt. Im Bild oben sehen Sie ein Beispiel, wie ein Clustering aussehen kann.

Ich notiere also meine Ideen nicht als Liste, sondern kreuz und quer in Kreisen. Genau diese Unstrukturiertheit überlässt der rechten Gehirnhälfte das Ruder und erlaubt ihr frei zu assoziieren. So können neue Bilder entstehen, die einen Text spannend machen. Wie die Techniker sofort erkannten, handelt es sich beim Clustern um eine Form des Brainstormings. Schlussendlich waren sie doch sehr angetan, ja fast begeistert, und es fielen ihnen neben dem Schreibeinstieg viele weitere Anwendungsmöglichkeiten des Clusterns ein.

 

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