Verstehen Sie mich?

Die Seminarsaison hat nach einem erholsamen Sommer wieder gestartet. Und gleich im ersten Seminar wurde ich mit einem häufigen Problem im beruflichen Schreiben konfrontiert: Versteht mein Leser was ich schreibe?

Unklare Anfragen

Sie kennen das sicher: Sie bekommen ein Mail und nachdem Sie es gelesen haben, fragen Sie sich: Und was will die Person jetzt von mir? Oder: Was soll ich damit?

Da hat sich der Schreiber des Textes nicht überlegt was sein Ziel ist. Nach häufiger aber passiert es, dass der Leser nicht versteht was Sie ihm sagen wollen, und zwar dann wenn wir mit Fachbegriffen den Leser abschrecken. Oder wir setzen Wissen beim Leser vorraus, dass dieser nicht hat. Ich sollte mir daher vor dem Schreiben des Textes ein paar Gedanken über meinen potenziellen Leser machen.

 

Ideale Leserin

Es macht einen Unterschied ob ich einen Text für einen Rechtsanwalt oder eine Billa-Verkäuferin schreibe. Soweit werden Sie mir sicher zustimmen. Aber auch firmenintern wird oft das unterschiedliche Knowhow zum Thema vergessen. Wenn die IT Abteilung Handbücher erstellt, die nur Computerspezialisten verstehen, geht der Sinn des Handbuches verloren. D.h. als Schreiber darf ich nicht vom eigenen Wissenstand ausgehen, sondern ich muß mich in meinen Leser versetzen und mich fragen wieviel und was dieser Leser zu meinem Text weiß. Denn: Kommen Sie sich gerne dumm vor, wenn Sie einen Text lesen und nicht verstehen? Eben. Also warum muten Sie es dann Ihrem Leser zu?

Ich sollte mir aber nicht nur den Wissenstand meines Lesers vergegenwärtigen. Ich sollte mir auch über die Einstellung meines Lesers zum Thema Gedanken machen. Ist der Leser dem Thema eher negativ oder positiv eingestellt. Denn ein kritischer Leser braucht andere Argumente als ein begeisterter Leser. Zu guter Letzt sollte ich mir auch noch Alter und Bildungsgrad meines Lesers überlegen. Junge Menschen lesen anders als Ältere.

Schreiben für mehrere Leser

Nun höre ich förmlich schon jene, die sagen: Ja aber ich schreibe in meinem Job meine Berichte nicht nur für eine Person, sondern für mehrere. Wie soll ich das dann alles berücksichtigen?

Indem Sie sich eine Person vorstellen, die die schwierigsten Eigenschaften für den Text vereint. Also nicht jemand, der sich gut im Thema auskennt, sondern jemand der kaum Wissen dazu hat. Nicht jemand der von Thema begeistert ist, sondern jemand der kritisch ist. In der Mathematik nennt man das kleinster gemeinsamer Nenner – den versuche sie für Ihre Leserschaft zu finden. Dann können Sie sicher sein, dass Ihre Leser Sie verstehen.

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